Wuppertal, 31.05.2014

Mit dabei:

  • Bonobo
  • Cheeta
  • Hombi
  • Lincoln
  • Mondschatten
  • Saphira

(Leider haben wir wieder kein Erinnerungsfoto geschafft, weil es dann am Schluss ein wenig eilig zur S-Bahn ging.)

Anstatt hier extrem ins Detail zu gehen (das mache ich dann als Zooporträt, dass ich hoffentlich geschrieben kriege), mein persönlicher Eindruck.

Wuppertal ist in mehrfacher Hinsicht anstengend und ein riesiges Durcheinander. Aber es hat sich gelohnt.

Anstrengend nicht nur wegen der extremen Hanglangen im Park. Aber die Stadt heißt ja nicht umsonst WupperTAL. Einen wirklichen Rundweg gibt es nicht, trotz der Ausschilderung. Wir konnten von Glück sprechen, dass wir Lincoln dabei hatten, der sich mit dem Gelände gut auskannte und uns kreuz und quer wirklich überall vorbei geführt hat.

Anstrengend im positiven Sinne auch wegen des enormen Inputs an Arten, die man nicht alle Tage sieht.
Was es im Vogelhaus alles zu sehen gibt, kann ich garnicht aufzählen (bin da ja auch nicht der Experte). An Säugetieren Indische Leoparden, Asiatische Goldkatzen, Salzkatzen, Goldbauchmangaben, Drills, Brillenlanguren, Mittelamerikanische Tapire, Elefantenspitzmäuse, Babirussas und Gelbrückenducker!

Dabei sind die Tiere wirklich völlig durcheinander im Park verteilt. Es gibt die klassischen Schwerpunkte wie Affenhäuser, Elefantenhaus, Vogelhaus, Aquarium (diese beiden allerdings sehr konsequent mit thematischen Anlagen), Raubtierhäusern und Eisbären-Robben-Pinguinanlagen. Dazwischen ist keinerlei System zu erkennen. Was nicht bedeutet, dass es nicht einzelne sehr beeindruckende Anlagen gibt. Für mich war das zB die Patagonien-Anlage, ein großflächiger, lang gestreckter, bis auf einen Holunderbusch praktisch baumloser Wiesenhang, auf dem Guanakos, Große Maras und Darwin-Nandus leben. Andere Zoos haben sowas als Afrika-Wiese. Das krasse Gegenteil dazu war dann auch die Zebra-Anlage, auf der wirklich nur Böhmzebras waren (früher immerhin noch Elenantilopen). Überhaupt, erstaunlich wenig Huftiere und noch weniger Vergesellschaftungen derselben.

Ein Durcheinander besonders fazinierende Art sind aber auch die Gehegebaustile verschiedener Jahrzehnte, die mitunter an nur einem einzigen Haus in Erscheinung treten, und die Umnutzung, bzw. Neuherrichtung alter Häuser – beispielhaft das ehemalige Elefantenhaus (kaum zu glauben, dass da mal Elefanten UND Nilpferde drin gewesen sein sollen) als Tapirhaus.
Das alten Affenhaus von 1927 lässt von Innen die Renovierung in den 80ern erkennen, während die Außenanlagen zum Teil Originalzustand, zT den 80ern und zT jüngeren Datums zu sein scheinen.
Architektonisch besonders interessant fand ich das Menschenaffenhaus, wenngleich der Zuschnitt der Innengehege kaum einer Diskussion bedarf. Dafür wurde das Haus jedoch um zwar kleine aber sehr geglungene moderne Außengehege für Orang-Utans, Bonobos/Schimpansen und Gorillas erweitert.

Ein absolutes Higlight sind schließlich die Tiger- und die Löwenanlage. Beide nutzen perfekt die Hanglage, wobei der Besucherbereich der Tigeranlage als Felsschlucht gestaltet ist. Trotz des wirklich massiven Einsatzes von Kunstfels hatte ich hier nicht diesen Phantasialand-Eindruck, den ich bei den Bärenanlagen in Gelsenkrichen hatte. Bei der Löwenanlage mit Ausmaßen, die man sonst eher in Safaiparks findet, fasziniert einfach ihre Weite, in der die Löwen noch dazu im hohen Gras geradezu verloren gehen. Trotzdem bin ich immer noch im Zweispalt, ob ich sie nicht doch ZU groß finde.

Apropos: Nicht wenige Besucher haben die Anlage ob ihrer Größe förmlich angehimmlt. Ach, den Tieren muss es ja gut gehen bei so viel Platz. Am Abtrenngehege, nicht mehr als doppelt so groß wie ein konventioneller Käfig, scheint das aber nicht mehr gezählt zu haben. Da waren alle begeistert, denn da waren die Löwen direkt an der Scheibe. Soviel dazu.

Das allerdings bringt mich zu meinem dritten persönlichen Eindruck von Wuppertal: Ein Zoo mit, sagen wir mal, sehr eigenwilliger Raumnutzung, die mir übrigens schon vor Jahren aufgefallen ist. Es gibt riesige Flächen für Kraniche, Enten, Gänse und Schreitvögel. Huftiergehege, die Patagonienanlage ausgenommen, sind schon fast minimalistisch klein. Eine Umnutzung dieser Flächen für die Tiere, die es nicht erst seit dem neuen Säugetiergutachten bräuchten, allen voran die Menschenaffen, die weiteren Raubkatzen, Eisbären (!) scheint nicht angedacht zu sein, was ich aus meiner persönlichen Sicht, ehrlich gesagt, nicht wirklich nachvollziehen kann.

13 Gedanken zu „Wuppertal, 31.05.2014“

  1. Zum Wuppertaler Zoo möchte ich noch etwas ergänzen.

    Die Haltung der Eisbären wird – aus meiner Sicht – berechtigt kritisiert. In den örtlichen Printmedien verdichten sich die Gerüchte, dass die Eisbären vermutlich bald aus dem Zoo verschwinden werden, sollte sich nicht noch ein potenter Geldgeber finden lassen. Im Menschenaffenhaus werden die Anzahl der Arten um die Schimpansen reduziert. Man wartet ab, bis das Männchen Epulu stirbt, da er zu alt ist, um noch abgegeben zu werden.

    Ansonsten sind viele Vergesellschaften angedacht, so sollen die Drills z.B. mit den Gorillas vergesellschaftet werden. Ihr habt Recht, viele Gemeinschaftsgehege gibt es nicht, aber hier findet auch ein Umdenken statt. Aktuell will man die Polarwölfe mit dem Kodiak zusammenbringen. Die Zebras werden mit Straußen vergesellschaftet. Leider wurden die Elenantilopen abgegeben (so ziemlich der einzige Wermutstropfen für mich bei den Umstrukturierungsmaßnahmen). Ich meine, dass auch die Bongos mit einer anderen Spezies vergesellschaftet werden soll, aber mir ist die Spezies leider entfallen. Leider ist die Anschaffung anderer Antilopen nicht geplant (zu Zebras und Straußen würden exzellent Oryx passen).

    An die Zwergpinguine kann ich mich auch noch erinnern. Damit hatte man kurzzeitig vier Pinguinarten im Zoo. Dem Otto Normalverbaucher war das fast nicht zu vermitteln, von der Unterbringung ganz zu schweigen.

    Die Löwenanlage ist nicht ZU groß. Der beste Platz am Tigergehege ist auf der Brücke, die über den Zoo führt. Für einen Topblick zahlt der Betrachter von der Brücke (Sambatrasse) keinen Eintritt…

    1. An die Brücke habe ich auch schon gedacht, nur muss man da nicht komplett außen rum?
      Warum ist die Löwenanlage in deinen Augen nicht zu groß? Die 2. Anlage ist winzig, warum nicht zwei ähnlich große Gehege. Löwen sind mit die faulsten Tiere die es gibt. Wenn alle anderen (aktiveren) Tiere kleinere Gehege haben, warum haben dann ausgerechnet die faulen und überhaupt nicht bedrohten Löwen so viel Platz? Der Zoo ist mit 24ha ja nicht gerade riesig…
      Wenn alle Tiere so viel Platz hätten wie in einem Safaripark, könnte die Anlage Sinn machen, aber doch nicht in einem platzmäßig eingeschränkten Stadtzoo.

      Man kann eine solche Anlage bauen, aber dann muss man die Fläche auch nutzen und einen Beutesimulator bauen oder aber die Tiere vergesellschaften. Nur so wie es jetzt ist, ist die Anlage gut, aber Qualität schlägst nach wie vor Quantität…

      Zu den Eisbären: Da dem Zoo die Probleme bewusst sind und die Haltung in ihrer jetzigen Form ein Auslaufmodell ist, sollte man die Kritik in Maßen halten. Es wurde ja bereits angekündigt, dass man prüft ob Gelder da sind, wenn nicht beendet man das ganze.

      1. Dass die Löwen so aktiv waren hat mich auch gewundert. Ich bin nur 1-2 im Jahr dort, aber für mich ist das eher die Ausnahme. Die Vorstellung die Löwen würden so viel laufen, weil die Anlage so groß ist, ist in meinen Augen ein Trugschluss. Andere Löwen haben auch bewegungsintensive und -arme Tage.

        Doch genau deshalb ist die Anlage meiner Meinung nach nicht optimal. Nur weil man ein großes Gelände hat und dort einen Zaun drum zieht ist die Anlage nicht gut. Außer dem Felsen zum drauf liegen habe ich nichts außer Wiese und ein, zwei Bäumen gesehen. Ich habe ja auch nie behauptet die Anlage sei schlecht, aber aufgrund des verschenkten Potentials (kein Simulator oder ähnliches) würde ich eben keine glatte 1 geben.

        Du musst ja auch mal an den Punkt denken, was die Anlage beim ONB auslöst. Der denkt sich: „Wow ist die Anlage groß, warum sind die anderen Tiere in Zoos nur in so kleinen Gehegen?“ Ich finde es dann schwierig zu kommunizieren warum die größeren Eisbären und Elefanten mit weniger Platz auskommen müssen. Es erweckt doch quasi den Eindruck, dass nur eine große Anlage eine gute Anlage ist. Das löst ein denken aus, das vor allem Stadtzoos in Probleme bringen kann….

    2. Ja, das war schon immer ein Fußweg um den Zoo. Bei der Erweiterung um die Tiger- und Löwenanlage, wurde der Weg einfach teilweise als Brücke neu gebaut.

      Die 2. Anlage ist eher ein Absperrgehege. Das es zwei Gruppen gibt liegt (glaube ich) daran, dass sie sich nicht verstehen.
      Löwen sind faul, aber ich habe noch nie so aktive Löwen außerhalb der Fütterung erlebt.
      Dass man sich für Zoomixlöwen entschieden hat, ärgert mich aber auch. ich bin stark dafür solche „Arten“ auslaufen zu lassen. Gibt es eigentlich andere Mischungen wie bei Löwen. Ich meine nicht ganz normale Unterarthybriden, sondern quasi eigene Formen, die sehr weit verbreitet sind.

      Natürlich wäre eine Vergesellschaftung oder ein Beutesimulator besser. Aber das diese nicht vorhanden sind, macht die Anlage nicht schlecht.
      Wenn ich die Anlage nach Schulnoten bewerten würde, dann bekäme sie im aktuellen Zustand eine glatte eins, mit Beutesimulator, Vergesellschaftung oder ein paar mehr Fixpunkte (liegende und stehende Stämme, eine kleine Höhle, etc.) eine 1+.

  2. Erst einmal schöne Zusammenfassung von euch. Wie ich sehe sind auch alle wieder, wenn auch erschöpft, nach Hause gekommen 😉 Die von Mondschatten bereits angesprochenen Punkte kann ich alle bestätigen, nichts desto trotz kann man noch mal hervorheben, dass es ein sehr toller Zoo ist 😀

    Zur Größe des Zoos muss ich dann aber korrigieren, die aktuelle Größe beträgt meines Wissen lediglich 26ha? Woher sind denn deine Werte Bonobo? D.h. eigentlich ist der ganze Zoo kaum größer als der Nachbar in Köln. Der größere Eindruck entsteht vielleicht dadurch, dass Köln deutlich mehr Arten hält und mehr Gehege hat. Das wiederum führt dann auch wieder zur Wuppertaler „Platzverschwendung“, wobei man in ein paar Jahren gerade für diese freien Fläche sehr dankbar sein wird. Ein Grund für die vielen Freifläche könnte aber sein, dass der Zoo in einem Wald liegt und man nicht einfach diesen nach Lust und Laune fällen kann. Die meisten anderen Zoos liegen ja in der Stadt und Forsten das Gelände dementsprechend eher auf als ab…

    1. Ich würde es auch eher eine Platzreserve nennen. Ich weiß nun natürlich nicht, welche Prioritäten man in Wuppertal setzt. Nur denke ich z.B. das man Anstatt der etwas zum Gigantsimus neigenden Großkatzenanlagen hier vielleicht auch kleiner (weniger kostenintensiv?) hätte bauen können und dafür die Freiflächen vielleicht für ein zweites Menschenaffenhaus. Grade hier legt man sich mit den neuen Außenanlagen ja gerade auf das Haus fest, obwohl das eigentlich wenig Möglichkeiten hat, im Inneren auf den heutigen Stand gebracht zu werden, zumindet nicht für alle drei Arten. (Wie gesagt, ich finde es in gewisser weise wirklich schön. Hab vor ca. 15 Jahren das Äquatorium in dem Stil umgestaltet. Und damals wäre das auch noch ok gewesen.)

      1. Mit dem Menschenaffenhaus legt man sich fest das stimmt. Aber sollten die Maße irgendwann nicht mehr reichen, kann man mit geringen Mitteln die Außenanlagen sicherlich verbinden. Dann müsste eine Art weichen, eventuell ganz oder an eine andere Stelle. Wobei dieses Problem ja nicht nur Wuppertal-typisch ist und in fast allen Zoos auftaucht 😉 Bei der Löwenanlage gebe ich dir vollständig recht, aber jetzt wo sie einmal da ist wird sich auch erstmal nichts ändern. Ich denke wie du, dass gerade bei den Ententeichen noch viel Platz ist für eine weitere große Tierart ist und die Enten dann woanders im Zoo untergebracht werden können und müssen.
        Ich glaube wenn jemand Interesse an einer Umstruktierung an einem bestehenden Zoo hätte, dürfte eher bei Wuppertal voll auf seine Kosten kommen 😉

      2. Falls dein zwinckerndern Smiley auf mich blickt, mal schauen. 😆 Zuerts will ich mal mit meinem Duisburgentwurf zufrieden und vorzeigbar sein. Ich glaube, mit den Google-Maps-Screenshots bin ich da auch methodisch endlich auf einem Weg, mit dem ich selbst zufrieden bin.

        Ich hatte eigentlich auch schon Dortmund ins Auge gefasst. Aber das wäre eher ein Umsortieren in drei große Bereiche Afrika, Südamerika und Asien und hier und da ein Neubau (Großkatzenhaus).

        Ich glaube, in Wuppertal müsste man in weiten Teilen über mein Substanzerhalt-Vorgehen hinausgehen und einiges an Gehegen zusammenlegen, abreißen und komplett neu bauen. Vor allem die Schwerpunktfindung muss eine andere sein. Duisburg hat welche, die man ausbauen kann. Dortmund sowieso. Bei dem Wuppertaler Durcheinander muss ziemlich genau hingucken. Das ist ein wie ein durcheinandergeratenes Mosaik, aus dem man vielleicht ein vielfältiges Muster herauskriegt. Einfach nur Geo ist da glaube ich nicht nur nicht machbar, sondern würde der Sache auch nicht gerecht.

    2. Wegen den Flächenangaben hab ich grad noch mal in „Das A und O im Zoo – Europas führende zoologische Gärten“ nachgeschaut und […]

  3. Ersteinmal tolle Zusammenfassung, Mondschatten! 🙂

    Mondschatten hat geschrieben:
    Überhaupt, erstaunlich wenig Huftiere und noch weniger Vergesellschaftungen derselben.

    Ja, das hat mich auch überrascht, aber ich denke mit dem Direktorenwechsel (Arne Lawrenz erstetzte Ulrich Schürer) wird sich da noch einiges tun.
    Hier mal die Vergesellschaftungen die mir in Erinnerung geblieben sind:
    – Gelbrückenducker & Okapis
    – Watussi & Zwergziegen
    und das dürfte es auch schon gewesen sein….

    Mondschatten hat geschrieben:
    Das allerdings bringt mich zu meinem dritten persönlichen Eindruck von Wuppertal: Ein Zoo mit, sagen wir mal, sehr eigenwilliger Raumnutzung, die mir übrigens schon vor Jahren aufgefallen ist.

    Ja, mir auch. Duisburg hat aus jeder erdenklichen Ecke Nutzen gezogen, abgesehen natürlich vom Walarium, Zooterassen und der Brachfläche hinter dem Äquatorium (ok, vielleicht doch kein gutes Beispiel :lol:), aber was ich meine: zwischen den Tiergehegen sind keine ewig großen Freiflächen. Oder auch der Zwergseidenäffchen-Aussenkäfig in Köln: da wird der Platz bis in die letzte Ecke ausgenutzt. Natürlich kann sich Wuppertal (34 ha) das viel eher leisten als Duisburg (16 ha), aber gut ist es trotzdem nicht.
    z.B. bei der Gorillaanlage: Ich weiß nicht, ob ihr das gesehen habt, aber zwischen Gorillaanlage und Weg war ein Grünstreifen, der teilweise bis zu 5 m tief war (ihr kennt ja meine Schätzkünste :lol:), hier hätte es auch ein Grünstreifen von 2-1 m Tiefe getan und die eh schon relativ klein Gorillaanlage wäre noch ein Stück größer.

    Wegen den Flächenangaben hab ich grad noch mal in „Das A und O im Zoo – Europas führende zoologische Gärten“ nachgeschaut und da ist mir aufgefallen, dass Sheridan gar nicht das Vogelhaus bei den Besonderheiten aufgelistet hat 😯 Immerhin haben wir und da ca 1 Stunde aufgehalten und das zurecht!

    EDIT: Hier, an alle die mir nicht geglaubt haben, dass Wuppertal noch mal Zwergpinguine importiert haben 😛 http://www.zootierliste.de/?klasse=2&or … rt=2020110

    1. Wo du das schon ansprichts. Das kleine Pinguinhaus da oben wirkte da schon fast wie ein Mahnmal. Ich kenne mich nur halt mit Pinguinen nicht zu genüge aus, um den ganzen Fall wirklich bewerten zu können. Aber irgendwas muss da wirklich ganz schön schief gelaufen sein.

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