Tierpark Berlin: Nur noch ein Gerenuk

Die wohl schlechteste Nachricht des noch jungen Jahres kommt aus Berlin. Im Tierpark sind bis auf ein Weibchen alle Gerenuks gestorben. Die zwei Böcke im Zoo sind nicht betroffen.

„Rätseln über Gazellen-Sterben im Berliner Tierpark
Von Anett Seidler

Im Berliner Tierpark sind innerhalb weniger Monate mehrere Tiere gestorben. Von einer Familie blieb nur eine Giraffengazelle übrig.

Die Experten des Tierparks in Friedrichsfelde rätseln, warum innerhalb weniger Monate fünf Giraffengazellen gestorben sind. Von einer ganzen Familie überlebte nur Priscilla, die im Juli 2014 geboren wurde.

So meldete der Tierpark im September 2015, dass das acht Monate alte Jungtier Tayo überraschend verstorben sei. Am 19. Oktober folgte Jack, nur vier Tage später Bonnie, am 24. November Amelia und am 30. Januar 2016 Cocoa.

Unterschiedliche Todesursachen bei den Tieren

Gemeinsam mit Experten vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und der Freien Universität Berlin suche man seit Tayos Tod nach einer Ursache, teilte der Tierpark am Dienstag mit. „Die pathologischen Veränderungen variierten bei den verstorbenen Giraffengazellen von Lungenentzündung über Verdauungsstörungen, Leberschäden bis Nierenschäden“, sagte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem. Von Priscilla würden regelmäßig Blutproben genommen, man hoffe auf ein Ergebnis aus dieser Langzeituntersuchung. Eine Sprecherin ergänzte, man habe auch das Trinkwasser der Tiere, die Nahrung und den Boden untersucht. Bislang jedoch ohne Erfolg.

Der Tod von Tayo war nicht nur für Berlins Tierpark und Zoo ein schwerer Rückschlag, sondern auch für das Erhaltungszuchtprogramm. War er doch nach Knieriems Angaben der erste Giraffengazellen-Nachwuchs in Europa seit 49 Jahren. Der Gerenuk-Junge wurde am 27. Februar 2015 im Tierpark geboren, seine Eltern waren Amelia (geb. im Dezember 2011) und Jess (geb. im Juni 2012). Während die Mutter ebenfalls starb, lebt der Vater mittlerweile im Zoo Berlin.

Den zwei Giraffengazellen im Zoo geht es aber gut

Nach Tierpark-Angaben war die Geburt Tayos das Ergebnis einer erfolgreichen, internationalen Zusammenarbeit: Im Rahmen des nordamerikanischen Erhaltungszuchtprogrammes für Giraffengazellen hatte Berlin im Mai 2013 und Juni 2015 Südliche Giraffengazellen aus Los Angeles und dem Zoo Phoenix erhalten.

Außer Priscilla im Tierpark leben noch zwei Giraffengazellen – Jess (geb. im Juni 2012) und Presley (geb. im Mai 2014) – im Zoo Berlin. Beide Tiere seien wohlauf, heißt es weiter.
Langfristig, so Knieriem, planten Zoo und Tierpark die drei verbliebenen Tiere als neue Zuchtgruppe aufzubauen. Ob die Tiere im Zoo oder im Tierpark leben werden, sei derzeit aber noch nicht entschieden.“
www.morgenpost.de/…/Raetseln-ueber-Gazellen-Sterben-im-Berliner-Tierpark

4 Gedanken zu „Tierpark Berlin: Nur noch ein Gerenuk“

  1. Kann es möglich sein, dass das eher nasskühle Wetter in Mitteleuropa die Tiere anfälliger für Krankheiten macht? In den USA scheint es ja zu funktionieren, sonst hätten sie keine Tiere zum abgeben. Aber grade Kalifornien und Arizona sind ja eher die warm-trockenen Gegenden und enstsprechen damit eher klimatisch dem Herkunftsgebiet der Tiere.

    1. Das könnte wirklich ein Grund sein und könnte z.B. auf die Tiere zutreffen, die an einer Lungenentzündung starben.
      Eine Möglichkeit, die letztes Jahr nach Tayos Tod diskutiert wurde, ist auch, dass Eicheln und ähnliches ins Gehege gefallen sein könnten und dass infolgedessen die Aufnahme dieser zu heftigen Darmproblemen bzw. Verdauungsstörungen geführt haben könnten.

  2. Das ist wirklich eine sehr traurige Nachricht 🙁
    Man darf sich sicherlich fargen, ob es noch Sinn macht, eine Etablierung der Art in Europa zu versuchen. Auch wenn ich irgendwie ein Gerenukfan bin und die Art daher gerne langfristig in Europa sehen würde, eignet sie sich nicht wirklich zum Verheizen. Aber mal sehen, ob man noch eine Ursache findet, die möglicherweise durch Haltungsfehler begründet ist.

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