Giraffen in deutschen Zoos – eine Bestandsaufnahme

Anlässlich des World Giraffe Day (warum auch immer man sowas immer auf Englisch sagen muss) am 21.06., dem längsten Tag des Jahres (!) , habe ich mir mittels zootierliste.de die Giraffenbestände in Deutschland etwas genauer angesehen.

Mit Angola-Giraffe (Giraffa camlopardalis angolensis), Kap-Giraffe (G. a. giraffa), Kordofan-Giraffe (G. c. antiquorum), Netz-Giraffe (G. c. reticulata) und Rothschild-Giraffe (G. c. rothschildi) werden in den hiesigen Zoos und Safariparks fünf der neun beschriebenen Unterarten von Giraffa camelopardalis gehalten. Hinzu kommen noch etliche Unterartenhybriden unterschiedlicher Abstammung.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/54/The_fur_pattern_of_all_nine_Giraffa_camelopardalis_subspecies.jpg
Von See Gallery below for authors – See Gallery below for sources, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44001012

Die einzelnen Unterarten lassen sich durch ihr Fellmuster unterscheiden. Allerdings variiert die Ausprägung des Musters auch von Individuum zu Individuum.

Verbreitung der Unterarten

Giraffa camelopardalis distribution.svg
By IUCN Red List of Threatened Species, species assessors and the authors of the spatial data., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11977534

Angola-Giraffe (G. c. angolensis)

Angola-Giraffen sind in zwei voneinander getrennten Gebieten in Südwestafrika verbreitet, im nördlichen Namibia und Botswana und im Grenzgebiet zu Angola, Sambia und Simbabwe.

Der einzige Halter von Angola-Giraffen in Deutschland ist (noch) der Zoo in Dortmund. Dort wird die Art seit 1986 gehalten und regelmäßig gezüchtet. Allerdings gab es vor einigen Jahren einen Einbruch bei Zucht und einige Todesfälle, unter anderem der Zuchtbulle. In diesem Zusammenhang wurde angekündigt, dass Dortmund seine Tiere in südeuropäische Zoos abgibt, um die Haltung und Zucht dieser Unterart dort zu konzentrieren. Tatsächlich gingen 2013/14 0,3 nach Frankreich. In Dortmund verbleiben 1,2.

Kap-Giraffe (G. c. giraffa)

Die Kap-Giraffen stammt aus dem südlichen Afrika, dem Grenzgebiet von Südafrika, Simbabwe und Mosambik.

Auch bei der Kap-Giraffe gibt es in Deutschland nur einen Halter, den Serengeti Safari Park Hodenhagen. Er erhielt 2012 1,1 aus dem Parco Faunistico de Le Cornelle (Italien). Ein weiterer Halter in Westeuropa ist außerdem der Planète Sauvage in Frankreich. Weitere Haltungen finden sich in Russland (drei, zwei davon reine Weibchengruppen), je eine in Kasachstan (2,4), der Ukraine (1,2), der Türkei (0,1 mit 1,0 Hybrid) und vier in Israel, wobei in drei Zoos Männchen aus der erfolgreichen Jerusalemer Zucht eingestellt sind.

Hodenhagen hält außerdem eine Zuchtgruppe Unterarten-Hybriden, jedoch in einem anderen Gehege als das Kap-Giraffen-Paar. In wie weit hier Ambitionen bestehen, eine unterartenreine Zucht aufzubauen, wird sich zeigen. Als sichere EEP-Partner kommen momentan vermutlich nur Planète Sauvage, Parco Faunistico und Jerusalem in Frage, da in den anderen Ländern die politische Lage eher problematisch ist.

Kordofan-Giraffe (G. c. antiquorum)

Die Kordofan-Giraffe kommt in voneinander getrennten Gebieten im nördlichen Zentralafrika vor.

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Kordofan-Giraffe, Zoo Dresden

Auch hier gibt es deutschlandweit nur einen Halter, den Zoo in Dresden. 2009-2015 hat er 1,2 aus drei französischen Zoos erhalten. Mit 13 Haltern liegt der europäische Schwerpunkt der Kordofan-Giraffen mit regelmäßiger Zucht in Frankreich. Eine Haltung gibt es jeweils in Belgien, der Schweiz und England, sowie zwei in Italien, bei denen jedoch eine die Tiere mit Tieren ungeklärten Unterartenstatus zusammen hält.

Aus europäischer Perspektive kann die Kordofan-Giraffe wohl als etablierte Unterart betrachtet werden, in Deutschland bleibt sie eine Rarität.

Netzgiraffe (G. c. reticulata)

Die Verbreitungsgebiet der Netzgiraffe liegt im Norden Kenias und in angrenzenden Gebieten Somalias und Äthiopiens. Die IUCN stuft sie als Least Concern ein.

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Netzgiraffen, Zoo Duisburg

Mit elf Haltungen ist sie die häufigste Giraffen-Unterrat in Deutschland, zu finden in Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Karlsruhe, Köln, München, Münster, Neunkirchen, Nürnberg, Osnabrück und Stuttgart. Darüber gibt es 53 weitere Halter im EEP-Raum.

Die Zucht gelingt in allen Einrichtungen mit entsprechenden Gruppen regelmäßig. Neunkirchen hält eine unterartengemischte Jungesellengruppe aus derzeit 1,0 reticulata und 1,0 rothschildi. In Osnabrück lebt zudem ein Weibchen mit unklarem Unterartenstatus in der Gruppe, ist aber an der Zucht beteiligt.

Rothschild-Giraffe

Die Rothschild-Giraffe kommt nur in drei kleinen, voneinander isolierten Gebieten in Kenia, Uganda und dem Südsudan vor. Die IUCN stuft sie als Endagered ein.

Rothschild-Giraffen, Leipzig
Rothschild-Giraffen, Zoo Leipzig

In Deutschland halten zehn Zoos Rothschild-Giraffen, namentlich Berlin (TP), Gelsenkirchen (EEP-Koordinator), Hamburg, Hannover, Kronberg, Leipzig, Magdeburg, Neunkirchen, Saarbrücken und Schwerin. EEP-weit sind es sogar 92 Halter, womit die Rothschild-Giraffe die am häufigsten gehaltene Unterart in Europa darstellt. Auch hier erfolgt die Zucht regelmäßig.

In Berlin lebt seit 2014 ein Paar Rothschild-Giraffen in einer Weibchenherde aus Unterarten-Hybriden. Lange galt die Zucht als unterartereine Rothschildgiraffen, bis sich heraustellte, dass der Zuchtbulle eine Westafrikanische Giraffe (G. c. peralta) in seiner Linie hatte. Inzwischen wird bei den Hybrid-Weibchen verhütet.

In Saarbrücken leben außerdem zwei Rothschild-Weibchen mit einem Bullen von ungeklärtem Unterartenstatus. Gezüchtet wird hier jedoch nicht.

Giraffe (ohne Unterartenstatus)

Zusätzlich zu den bereits erwähnten TP Berlin, Hodenhagen, Onsabrück und Saarbrücken werden Tiere ohne Unterartenstatus in Berlin (Zoo), Jaderpark, Safaripark Schloss Holte-Stuckenbrock und dem Tier- und Erlebnispark Waltersdorf gehalten. Europaweit gibt es 55 weitere Halter.

In Berlin wird derzeit eine Junggesellengruppe aus Hybriden gehalten. In Waltersdorf lebt ein einzelner Bulle. Die einzigen Züchter nicht unterartenreiner Tiere in Deutschland sind neben dem Einzeltier in Osnabrück die Safariparks in Hodenhagen und Schloss Holte-Stukenbrock und der Jaderpark.

Fazit

In Deutschland werden in 23 zoologischen Gärten und vier Safari- und Freizeitparks Giraffen gehalten. Den größten Anteil machen dabei die Netz- und die Rothschildgiraffen mit zusammen 21 Haltungen aus. Beide Unterarten züchten regelmäßig und können auch EEP-weit auf einen reichen Genpool zurückgreifen. Auch bei der Kordofan-Giraffe kann, wenngleich auf viel kleinerer Basis, von einem einstweilen tragfähigen Bestand ausgegangen werden. Die langfristige Haltung der Angola-Giraffe, nicht nur in Deutschland, scheint hingegen fraglich, ebenso der Kap-Giraffe.

In den deutschen Zoos wird die Unterartenhybridisierungen inzwischen weitgehend vermieden und unterartenreine Zucht angestrebt oder schon lange durchgeführt. Wo noch Hybriden leben, werden sie nicht mehr zur Zucht eingesetzt. Insbesondere für die Erhaltung der bedrohten Rothschild-Giraffe ist dies essentiell.

Anders sieht es allerdings in den Safari- und Erlebnisparks aus, in denen regelmäßig mit Unterartenhybriden gezüchtet wird. Eine grundsätzliche Änderung dieser Strategie zeichnet sich momentan nicht ab, was das Erhaltungszucht-Engangement dieser Einrichtungen in Bezug auf Giraffen zumindest in Zweifel ziehen lässt.

 

8 Gedanken zu „Giraffen in deutschen Zoos – eine Bestandsaufnahme“

  1. Btw, warum ist eigentlich mein Zoo Rostock Bericht, den ich genauso wie meinen Tierpark Cottbus Bericht ins Forum gestellt hatte, noch nicht hier?

    1. Bin noch nicht dazu gekommen, das ist ja alles Handarbeit ;-). Du darfst den Bericht aber auch gerne selber rüberkopieren, dein Passwort hatte ich dir ja zukommen lassen.

      1. Kein Problem 🙂
        Wollte nur sicher gehen, dass du den nicht übersehen hast 😉
        Ich habe derzeit keinen PC zur Verfügung, wenn er dann aus der Reparatur zurück ist, mache ich das mit dem Rüberkopieren, wenn du das bis dahin noch nicht gemacht hast. Dann kann ich hier auch noch ein Foto der Dresdner Giraffen hochladen sowie Bilder des Alfred-Brehm-Hauses.
        Ich weiß, das gehört eigentlich nicht hier hin, aber ich wusste nicht, wo ich das sonst posten soll, jedenfalls kann ich mich mit dem Passwort, das du mir gesendet hast, hier nicht anmelden…

      2. Fotos von den Dresdener Giraffen wären super.

        Wegen des Passworts schreib ich dir eine Email. Bei Problemen kann man mir auch immer eine schreiben, kein Thema.

  2. Danke für diese Bestandsaufnahme! Sie liest sich sehr interessant.

    Es sieht also gar nicht so schlecht aus, was die künftige Zucht und Haltung mehrerer reiner Unterarten (also v.a. Rothschild, Netz und Kordofan) angeht. Allerdings könnte man sicher langfristig die anderen beiden derzeit in Europa gehaltenen Unterarten ebenfalls erhalten, wenn die Parks, die derzeit noch Unterartenhybride züchten, mal damit aufhören würden…
    Rund 60 Haltungen von Unterartenhybriden in Europa ist mMn zu viel, wobei natürlich Haltungen wichtig sind, die die Unterartemhybride erstmal weiterhin in nicht züchtenden Gruppen halten. Auch in dem Bereich würde ich aber eine positive Entwicklung bescheinigen.
    Was ich gut finde, ist diese leichte Tendenz hin zu regionaler Spezialisierung in Europa. Ist sicher nicjt verkehrt.

    1. Die Unterartenhybridhaltungen in Europa hab ich nur überflogen. Da fiel mir auch immer wieder ins Auge, dass da nur von Einzeltieren die Rede war, oder von Gruppen, die nicht mehr züchten. In welchem Umfang da also Hybriden gezüchtet werden, weiß ich im Moment nicht.

      Wobei auch die Überlegung ist, wie eng man die Unterartentrennung wirklich sehen muss. Wenn wie in Berlin einmalig eine andere Unterart im Stammbaum auftaucht, ist das dann wirlich so dramatisch, dass die ganze Linie gestrichen werden muss?

      PS: Falls jemand Fotos der anderen Unterarten aus anderen Zoos hat (und hier einen Account), könnt ihr sie gerne in die Mediathek hochladen, ich füge sie dann in den Beitrag ein.

      1. Super, danke. Hab sie schon eingefügt. Jetzt fehlt nur noch ein Bild aus Dortmund. Ich weiß garnicht, ob ich damals welche gemacht habe, als wir da waren.

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