Zoo Kaiserslautern

Der Zoo Kaiserslautern gehört unübersehbar zu den kleinen Einrichtungen. Der Tierbestand ist überschaubar und enthält an Großsäugern Chapman-Zebras, Pferde und Esel, Trampeltiere und Hausyaks, Lamas und Alpakas, sowie Sikahische. Carnivoren beschränken sich auf Zwergotter, Wasch- und südamerikanische Nasenbären, sowie Zebramangusten und Erdmännchen. Bis vor kurzem hatte es noch einen Tiger gegeben. Die Primaten werde durch Lizst- und Weißbüschelaffen, Totenkopfaffen, Haubenkapuziner, Kattas und Rote Varis vertreten.

Eingangsbereich

Im Eingangsgebäude befindet sich die Kasse, Verwaltung, wohl auch die Zoodirektorenwohnung, sowie in einem Anbau die Zoogastronomie.

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Unmittelbar hinter dem Eingang befindet sich ein recht neues Zwergottergehege. Selbst unter dem Schnee lässt sich eine gute Wasser-Land-Aufteilung erahnen, das Gehege wirkt gut strukturiert und gestaltet. Die grün gestrichene Rückwand wir im Sommer sicherlich auch ohne überbordende Deko-Kulisse keineswegs unnatürlich wirken.

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Optisch mehr schlicht kommt dagegen das Innengeheg daher. Von der Ausstattung her erscheint es mir wie eine verkleinerte Version des Riesenotter-Innengeheges in Duisburg und ist eigentlich angemessen, für den Schaubereich aber völlig unzureichend gestaltet. Es wirkt wie ein Rohbau. Einstreu mit Rindenmulch,Kaiserslautern 2014-12-29 (6) etwas mehr Äste und Steine und vor allem Putz an den Wänden, wahlweise Kunstfels in Lehmwandoptik oder Glatt und bemalt, währen hier dringend angebracht, um das Innengehege attraktiver zu machen.

Die alten Raubtierkäfige und drum herum

Direkt hinter dem Eingansbereich liegt rechter Hand ein Tierhaus mit großen, massiven Gitterkäfigen. Hier sollen vorne Kattas und hinten Rote Varis untergebracht werde. Der gesamte Zuschnitt zeigt aber sehr deutlich, dass es sich hier um ein ehemaliges Raubkatzenhaus handelt. Die Außenkäfige sind dabei für eine Anlage dieser Art durchaus großzügig bemessen, für den einzeln gehaltenen Tiger, der hier zuletzt gelebt hatte, keineswegs zu klein und mit einer Einrichtung aus Holz, Felsen und auch einigen Pflanzen nicht kahl.

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Auch die Lemuren wären hier zwar nicht überragend gut, aber auch nicht wirklich schlecht untergebracht. Auf den ersten Blick scheinen aber einige Klettermöglichkeiten zu fehlen. Den Informationen nach soll die Anlage durch eine begehbare Lemurenanlage ersetzt werden, ob in der jetzigen Form oder als neu angelegte Insel, wie man sie mittlerweile immer öfter findet, war allerdings nicht angegeben.

Auch wenn eine solche Lemurenanlage die Attraktivität des Zoos sicherlich erheblich steigern würde, wäre es schade um die Raubkatzenalage, die sich mit entsprechenden kleineren Maßnahmen (vgl. Nebelparderanlage in Duisburg) für kleinere Pantherini (z.B. Amurleopard, Nebelparder) oder größere Felini (z.B. Ozelot, Jaguarundi) oder gerne auch Fossas als Gegenpart zu den Lemuren sicherlich gut herrichten ließe.

Kaiserslautern 2014-12-29 (11)Gegenüber der Lemurenkäfige befindet sich eine Kuppelvoliere besetzt mit verschiedene Farbvarianten von Alexandersittichen, Wellsensittichen, Halsbandsittichen und laut Beschilderung auch Pennattsittiche und Agapornis. Am Boden traute sich außerdem ein Fasanenweibchenheraus, das ich spontan nicht zuordnen konnte.

Im Hintergrund liegt zudem noch eine lang gezogenes Gebäude, an beiden Längsseiten mit Voileren, durch die Abdeckung mit halbtransparenten Kunststoffplatten, die natürlich eingeschneit waren, leider etwas düster. Neben zwei Paaren Blauer Pfaue waren hier verschiedene Hühnerrassen zu sehe, die aber leider nicht ausgeschildert waren, sowie ein Steinkauz.

Huftiergehege

An die Kleinvolieren schließen sich mehrere einfach gestaltete Huftiergehege an. Sie bestehen im wesentlichen aus Zäunen und kleinen Ställen und dürften auch unter dem Schnee mit Sand und etwas Grasnarbe (vgl. Google Maps) eher schlicht ausfallen. Besetzt sind die Anlagen mit Vater, Mutter, Kind Chapmanzebras, einer kleinen Gruppe Lamas vergesellschaftet mit einem Nandu-Paar, einer Gruppe Trampeltiere (hier fällt wieder einmal die minimalistische Gehegebegrenzung auf, tatsächlich das einzige Gehege im Zoo mit einem Graben) sowie Haus-Yaks.

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Generell wirken Huftieranlagen dieser Art eher langweilig, insbesondere wenn, wie bei den Zebras, nur eine einzige Art gehalten wird. Die Gehegebegrenzung in Form von Wildzäunen anstatt Gräben muss hier, wie man u.a. auch in Dortmund sieht, allerdings kein grundsätzliches Manko sein. Insgesamt ist es eher die karge Gestaltung und die Aneinanderreihung, die die Gehege unattraktiv erscheinen lässt und wenig zum Verweilen und Beobachten einlädt.

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Im Bereich der Hutieranlagen befindet sich zudem ein kleines Häuschen für Weißschwanz-Stachelschweine, Zebramangusten und Erdmännchen, umgeben Außenanlagen, die den Vergleich mit denen in größeren Zoos nicht scheuen müssen.

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Das Tropenhaus

Kaiserslautern 2014-12-29 (17)Das Tropenhaus ist zweifellos das Highlight des Zoos, und das völlig ohne Ironie – wenn auch auf den ersten Blick es nicht wie das erscheint, was man gemeinhin unter einem Tropenhaus versteht, nämlich eine Art gläserner Halle mit einem angepflanzten Dschungel darunter. Dennoch finden sich hier grade im kleinen die zoologischen Perlen des Zoos, die man nicht überall findet. Auf zwei Etagen wird hier ein Querschnitt durch die Tierwelt der Tropen gezeigt, darunter Säuger, Reptilien, Amphibien, Fische, Insekten und Spinnentiere.

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Listzäffchen-Gehege

Im Außenreich recht und links des Eingangs geben Fenster Einblick in die Innengehege für Chinchillas und Listz-Äffchen.

In der ersten Etage findet sich die Terrarien-Abteilung mit ausnahmslos sehr schön und naturnah gestalteten Terrarien und insgesamt einer stimmigen Tropenatmosphäre, die sich am ehesten mit der Terrarienhalle in Wuppertal vergleichen lässt. An der Decke laufen Kletterseile entlang, die wohl für Zweifingerfaultiere gedacht sind. Selbiges befand sich allerdings gerade hinten links in einem geschlossenen Abteil, vergesellschaftet mit Weißbüscheläffchen und Goldagutis.

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n den Terrarien waren unter anderem Korallenfingerfröschen, Gelbgebänderte Baumsteiger, Rote Regenbogenboas, Nashornleguane, Vogelspinnen und Achatschneken zu sehen, aber auch die obligatorischen Grünen Leguane, Jemenchamäleons, Grüne Wasseragemen zusamme mit Indischen Sternschildkröten, Bartagamen vergesellschaftet mit einer Kragenechse, außerdem Kurzohr-Rüsselspringer und in einem über beide Etagen reichenden Gehege Prevost-Schönhörnchen.

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Wasseragamen und Sternschildkröten
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Kurzohr-Rüsselspringer
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Gelbgebänderter Baumsteiger
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Prevost-Schönhörnchen

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Einzig tropische Kleinvögel habe ich hier vermisst, allein schon für die Geräuschkulisse. Dabei gibt es hier direkt am Eingang eine schon bepflanzte Ecke, die sich leicht in eine passende Voliere umwandeln ließe.

Im Gegensatz zum Obergeschoss wirkt das Erdgeschoss des Tropenhauses eher schlicht und weniger atmosphärisch. Man erkennt hier das konventionelle alte Affenhaus, dessen Käfige zum Teil umgebaut wurden. Kaiserslautern 2014-12-29 (49)Auf der rechten Seite finden sich je zwei Doppelkäfige für Totenkopfäffchen und Haubenkapuziner. Die Ausstattung entspricht etwa dem Stand der 80er oder 90er Jahre. Dazu gehören konventionelle Außenkäfige.

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Vor Kopf ist hinter zwei Scheiben ein Terrarium mit integriertem Becken wir Piranhas eingerichtet, wobei der Landteil von einer Griechischen Landschilskröte bewohnt wird, die sich gerade in Winterruhe befand. Eine südamerikanische Schildkrötenart wäre hier sicher stimmiger, zudem bietet sich das Abteil geradezu für einen Oberbesatz, vielleicht mit Zwergseidenäffchen oder Kleinvögeln an.

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Auf der linken Seite finden sich der untere Teil des Schönhörnchen-Geheges, ein zu Auqarium umgebautes Abteil mit dem üblichen Afrikanische-Seen-Besatz, des weiteren in einem verdunkelten, blau ausgeleuchteten Gehege Kurzkopf-Gleitbeutler (die sich aber dennoch nicht zeigten), sowie Degus. Ein weiteres Abteil steht zur Neueinrichtung für Pantherchamäleons und Plattschwanzgeckos an.

Die Falknerei

Vor dem Tropenhaus ist die Falknerei gelegen. In der Sommersaison finden auf einer Wiese im Bereich der Huftieranlagen Flugshows statt. Die Unterbringung der Raubvögel war für die Besucher nicht zugänglich.Kaiserslautern 2014-12-29 (15)Zwischen Tropenhaus und Raubtierhaus liegt außerdem eine Wiese, die für Veranstaltungen genutzt wird. Aktuelle standen hier noch drei Buden eines Weihnachtsmarktes und ein lebendes Krippenspiel.

Wasservögel und weitere Huftieranlagen

Auf der Rückseite des Tropenhauses liegt ein kleiner Teich, auf dem Höckergänse, Kanadagänse, verschiedene Farbvarianten von Hausenten und -gänsen und die unvermeidlich Ansammlung wilder Stockenten anzutreffenn sind.

Auf der anderen Seit sind zwei weitere einfach Wildgehege angelegt. Das erste teilen sich Alpaka und Bennett-Kängurus, auf dem zweiten lebt eine kleines Rudel Dybowski-Sikas mit einem durchaus stattlichen Hirsch.

Nutztiere

Als letzter Gehegebereich folgen die Koppeln für verschiedene Pony- und Schafsrassen. Die Ställe sind schön und stimmig als Bauerhofsgebäude gestaltet.

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Storchen-Auffangstation
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Ponies und Schafe

In einem einfachen, länglichen Käfig mit angrenzendem Innenräumen, der dem Eindruck nach wohl einmal für Kleinraubtiere gedacht gewesen sein könnten (im Nachbarabteil werden noch Waschbären gehalten), sind zwei Weißstörche untergebracht. Ein Schild erläutert, dass es sich um eine Auffangstation für flugunfähige Wildstörche handelt. Möglicherweise mag es hier zu Irritationen seitens der Besucher gekommen sein, dass Störche in einem rundum abgeschlossenen Käfig gehalten werden, die wenig Flugraum lässt.

Oberhalb der Nutztiere befindet sich eine Picknickplatz mit Grillhütte und die Rekunstruktion eines fränkisch-karolingischen Gehöfts, ein historischer Hof dieser Region aus der Zeit des 8. – 10. Jahrhunderts.

Das übrige Gelände

Kaiserslautern 2014-12-29 (53)Wie der Übersichtsplan zeigt, ist mehr als die Hälfte des Zoogeländes ungenutzt. Um die mit einem dichten Erlenbestand bewachsene Fläche führt der Weg zurück zum Ausgang. Dieser Weg ist als Naturlehrpfad gestaltet, an dem auf Klapptafeln heimische Singvogel, sowie alle möglichen Formen von Brut- und Überwinterungshilfen für hiesige Vogel, Insekten und Säugetiere vorgestellt werden. Dazu gibt es noch ein Bienenhaus.

Fazit

Insgesamt macht der Zoo Kaiserlautern eher den Eindruck eines (Stadt)parks mit einigen Tiergehegen und Vogelvolieren, wie man es z.B. auch bei uns in Rheinhausen findet. Das Tropenhaus, das ehemalige Raubtiergehege und die exostischen größeren Säuger (Kamle, Zebras) und Raubtiere (Otter, Mangusten) gehen darüber aber natürlich hinaus und geben der Einrichtung durchaus einen Zoo-Charakter. Vor allem die neuen Anlagen sind modern und naturnah gestaltet. Sinnvollerweise wurde auf überbordende Kulissen verzichtet, was bei einzelnen Gehegen, die nicht in ein Themen- oder Landschaftskonzept eingebunden sind, ohnehin nur lächerlich wirken würde (siehe Stachelschweine in Dortmund).

Wenn auch die besonders publikumswirksamen großen Arten wie Menschenaffen, Giraffen, Bären, Großkatzen, Elefanten oder Nashörnern fehlen, so dürften niedliche Wuseltiere wie Zwergotter, Erdmännchen oder Affen durchaus für Besucher attraktiv sein. Um für die Huftiere des gleiche behaupten zu können, müssten deren Gehege allerdings optisch weitaus ansprechender und interessanter gestaltet werden, als sie es jetzt sind. Die Gehege haben zur Zeit einen Einmal-kurz-reingucken-alles-gesehen-haben-und-weitergehen-Charakter, der einen Aufenthaltsdauer von vielleicht 10 Sekunden vor dem Gehege hervorbringt. Auch über eine moderate und möglichst kostengünstige Erschließung der Brachflächen, vielleicht mit heimischen Tieren wäre nachzudenken.

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