Krefelds neue Nashornanlage – gelungene Erweiterung, aber…

Ein neues Zuhause für Krefelds Graue Riesen. So bewarb der Zoo Krefeld bereits seit 2015 den Bau einer neuen Außenanlage für seine Spitzmaulnashörner.

Und tatsächlich war diese Baumaßnahmen dringend nötig. Das Krefelder Nashornpaar Nane und Usoni zählt mit inzwischen fünf Kälbern zu den erfolgreichsten Zuchtpaaren dieser bedrohten Art in Deutschland. Gleichwohl war die Krefelder Nashornhaltung auf die Zucht nur unzureichend ausgelegt. Die Außenanlage des Dickhäuterhauses ist zweigeteilt, die eine Hälfte bewohnen die beiden alten Asiatischen Elefantenkühe. Für die einzelgängerischen Spitzmaulnashörner, die die meiste Zeit nicht zusammen gehalten werden können, bedeutete dies, dass ein Tier sich bestenfalls in dem kleinen Vorgehege zwischen Haus und Außenanlage aufhalten konnte.

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Zweckerfüllend und optisch schön

Das sollte sich mit der neuen Außenanlage ändern. Und was das betrifft, erfüllt sie ihrem Zweck. Die langgestreckte Erweiterungsfläche schließt an das bestehende Gehege an, legt sich um die Elefanten-Anlage und grenzt an die große Afrikawiese. Optisch wirkt sie naturnah, verzichtet auf eine überbordende Kulisse und nutzt hauptsächlich Naturstein und Holz. Das Geläden fällt zu den Wegen hin sanft ab und bildet angrenzend an die Afrika-Wiese eine Senke mit einer Wasserstelle, wodurch ein interessantes Panorama entsteht. Zur Mitte hin steigt der Boden dagegen zu einem kleinen Hügel an. Bepflanzt ist die Anlage mit einzelnen Akazien, die Randzonen außerdem mit heimischen Sträuchern, darunter dornige, kleinblättrige Arten. Dem Laufverhalten kommt die Anlage mit ihrer Form entgegen und ist mit 2000qm großzügig bemessen, die Strukturierung gut.

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Die Besucher erhalten großzügig Einblick von mehreren Beobachtungspunkten aus, die mit Plisadenzäunen gesichert sind. Hier fällt allerdings grade an der schmalsten Stelle der Anlage ein ungünstiges Cross-Viewing auf. Einerseits verläuft der Hauptweg entlang der Nordseite. Direkt gegenüber an der Südseite wurde ein breiter Beobachtungsplatz eingerichtet, der noch um eine Lodge als erhöhter Aussichtspunkt ergänzt wird (und zugleich den einzig möglichen Einblick in die Elefantenanlage gewährt).

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Zwar sind entlang des nördlichen Hauptweges in dieser Zone Büsche gepflanzt, doch handelt es sich nicht im dicht und hoch wachsende Arten, die die Anlage komplett abschirmen könnten.

Keine Krefelder Savanne

Den Eindruck eines Ausschnittes aus der Savannenlandschaft gibt die neue Anlage durchaus her. Die Wirkung von Wildnis hervorzurufen kann ihr alleine trotz der gelungenen Gestaltung allerdings nicht gelingen, solange das angrenzende alte Gehege in Form einer unstrukturierten Sandfläche mit befestigten Graben und Betonrückwand und die Afrikawiese als wenig landschaftlich gestaltete, plane Grasflächen bestehen.

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Die Elefanten-Absurdität

Die tatsächliche Crux des gesamten Anlagenensembles ist jedoch nicht die unterschiedliche Gestaltung, die sich bei den bestehenden Anlagen verhältnismäßig leicht nacharbeiten ließe. Die gesamte Konzeption leidet unter der Absurdität, die schon lange nicht mehr den Standards genügende Elefantenhaltung weiter führen zu müssen – nicht nach dem Willen der Zooleitung, sondern der Stadt Krefeld, die glaubt, ohne Elefanten um die Attraktivität des Zoos fürchten zu müssen.

Wäre man Willens gewesen und hätte erfolgreich eine geeignete Unterbringung für die beiden Altkühe gefunden, wären einerseits die Elefanten in bessere Haltungsbedingungen gekommen, andererseits hätte man sich die neue Nashornanlage komplett sparen und statt dessen die beiden bestehenden Anlagen optisch aufwerten und gegebenenfalls zur Afrikawiese hin erweitern können. Zudem stünden dann den Nashörnern im Innenraum nicht nur ihre Boxen, sondern mit der bisherigen Elefantenfläche sogar ein Innengehege zur Verfügung, was in dieser Form eher selten ist – ein wirklich neues Zuhause für Krefelds graue Riesen, dass der Bedeutung der Haltung und Zucht entsprechen würde.

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Einziger Einblick in die Elefantenanlage

Dass mit der nun umgesetzten Konzeption die Elefanten nur noch durch das aus dicken Stahlstäben bestehenden Zufahrtstor der Anlage zu sehen sind,  führt das Konzept nun erst recht ad absurdum, da die vermeintlich unverzichtbaren Publikumsmagneten nun für das Publikum kaum noch vernünftig zu sehen sind.

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