Zoo Budapest

Nachdem ich dieses Jahr auch wieder einige Zoos das erste Mal besucht habe, die nicht im direkten Umland liegen, dachte ich den ein oder anderen interessiert ein kurzer Reisebericht / ein kurzes Fazit.

Der Zoo Budapest liegt in einem Park- und Naherholungsgebiet der schönen ungarischen Hauptstadt. Der 1866 gegründete und etwa 16 Hektar große Zoo wird vor allem durch seine beiden hohen Kunstfelsberge charaktisiert.

http://www.zoos.mono.net/upl/20245/budapest.jpg

Stärken

Der Zoo lebt vor allem von seinen tollen historischen Gebäuden. Der Bestand ist gut, wenn auch nicht herausragend. Seltenere gezeigte Arten sind z.B. Schwarzer Haubenlangur, Rotbüffel, Pustelschwein, Streifenhyäne, Riesenotter und Koala. Tatsächlich findet man in diesem Zoo wenig wirklich schlechte Anlagen, für einen osteuropäischen Zoo keine Selbstverständlichkeit.

Gorilla

Eine großzügigeund naturnahe Anlage mit ausreichenden Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten. Der etwas zu groß geratene Wassergraben und die ausreichende aber nicht überdurchschnittliche Innenanlage verhindern eine bessere Bewertung.

Gesamtnote: 2-

menschenaffenhaus-gorilla-aussenanlage-1menschenaffenhaus-gorilla-innenanlage

 

Riesenotter

Großzügige und naturnahe Außenanlage mit gutem Wasserbereich. Sehr gute und überdurchschnittlich große Innenanlage. Ein paar mehr Versteckmöglichkeiten hätten hier nicht geschadet. Die Anlage ist für die Tiere wirklich sehr gut, optisch habe ich dagegen schon schönere Anlagen gesehen.

Gesamtnote: 1- bzw. 2+

riesenotter-aussenanlage riesenotter-innenanlage

 

Schwächen

Dem Zoo fehlen vor allem innovative oder deutlich überdurchschnittliche Anlagen um mit der europäischen Zoo-Elite mitzuhalten. Wenn dann ist in dieser Kategorie noch das sich über mehrere Etagen erstreckende Aquarium innerhalb des großen Kunstfels (Giant Mountain) aufzuführen.

Raubtiere

Relativ kleine Anlagen mit hohen wenig ansprechenden Glasscheiben als Gehegebegrenzung. Versteckmöglichkeiten sind hier häufig nicht zu finden, Beispiel Anlage für Amurtiger links. Vor allem die Anlage für Streifenhyänen ist sehr schwach, hässlich und kahl (rechtes Bild).

Gesamtnote: Zwischen 4 und 6 ist hier alles dabei.

raubtiere-amurtigerraubtiere-streifenhyaene

Zebra

Eine Anlage mit einem schönen historischen Stall, gegenüber dem eindrucksvollen historischem Elefantenhaus und im Vordergrund des großen Kunstfelsberg (Magic Mountain). Die kahle Anlage stört den Gesamteindruck und könnte auch für die Tiere besser sein. Die Anlage ist in dieser Form kein Einzelfall, vergleichbares findet man auch beispielsweise bei den Rotbüffeln, Rothunden, Hirschziegenantilopen, Braunbären, etc…..

Gesamtnote: 4+

afrika-zebra

 

Sollte mein kurzer Reisebericht auf Interesse stoßen hätte ich auch noch Vorstellungen der Zoos in Prag, Pilsen, Pairi Daiza, Antwerpen und Rotterdam im Angebot…

Meinungen und Verbesserungsvorschläge wie immer erwünscht.

 

Ergänzungen auf Wunsch:

@arafan: Welches Australienhaus meinst du? Es gibt eines für Vögel und Reptilien und eines für Säuger (gemischt mit Anlagen für Nasenbären etc.). Abgesehen davon wundert mich die Aussage zu dem hochgelobten Australienhaus. Mehr als ok ist hier insgesamt keine der Anlagen (Ausnahme eine Außenvoliere der Keas). Beispiele anbei:

australien-begehbare-australienanlage-wallaby-und-emuaustralien-ameisenigel

Linkes Bild begehbare Anlage mit Wallabys und Emus als Besatz (im Hintergrund rechts sieht man das Australienhaus für Säuger im dunklen Blockhausstil). Auf dem rechten Bild Beispiel für eine Innenanlage (hier Kurzschnabeligel). Schöne Wandmalereien ansonsten aber wenig Struktur und düstere Optik (vor allem aufgrund des dunklen für mich unpassenden Holz).

@Mondschatten: Wirklich ansprechend fand ich das Madagaskarhaus nicht, deshalb ist es aus meinem Kurzbericht leider rausgeflogen. Was hier allerdings wirklich toll ist, fast der komplette Besucherinnenraum wird als vergrößerte Innenanlage für Mohrenmakis genutzt. Foto anbei:

affenhaus-innenanlagen-und-rechts-freilaufende-mohrenmakis

Links die Innenanlagen für Lemuren, rechts offene Innenanlage für Mohrenmakis.

Die Elefantenhaltung ist aufgrund der räumlichen Enge im historischen Haus tatsächlich interessant gelöst. Die Kühe besitzen eine neue Freilaufhalle innerhalb des Afrikahaus.

afrika-asiatischer-elefant-innenanlage-kueheafrika-elefantenhaus-bullen-innenanlage

Thematisch zwar völlig unpassend, da Asiatische Elefanten gehalten werden, allerdings räumlich geschickt gelöst. Auf dem rechten Bild sieht man die Innenanlage des Bullen innerhalb des historischen Altbau. Das Tier wirkt sehr beeindruckend aufgrund der nähe zu den Besuchern, allerdings sieht man schon das eine zeitgemäße Kuh-/Herdenhaltung hier nicht möglich ist.

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Links die Innenanlage für Flusspferde, welche ebenfalls zusammen mit dem Bullen im Haus leben. Auf dem rechten Bild sieht man die Außenanlage für die Kühe. Relativ kahl und strukturlos, dafür flächenmäßig in Ordnung befindet sich diese zwischen dem Neubau für afrikanische Huftiere (inklusive der Innenanlage für Kühe) und dem historischen Haus.

 

3 Gedanken zu „Zoo Budapest“

  1. Der erste Blick auf den Plan zeigt ja schon: Das hat Struktur und klar erkennbare Schwerpunkte, und dafür bin ich ja immer zu begeistern. Und dabei ist das ganze etwa genauso groß wie wir hier. Es geht also. Gleichzeitig heißt das aber auch, wenn ich die Menge an Gehegen sehe, dass die teilweise auch nicht übermäßig groß sein können.

    Mich hätte vor allem noch die Savanne samt Haus, die Eisbärenanlage und das Drumherum, die Elefantenhaltung und das Madagaskarhaus näher interessiert. Letzteres wirkt so, als handele es sich dabei um ein vormaliges Affenhaus. Wenn dem so ist, wäre das eine interessante Umnutzung. Eisbären- und Elefantenanlagen scheinen mir nicht besonders groß zu sein, und wir wissen ja, wie schwierig es sein kann, ein historisches Elefantenhaus für den aktuellen Stand der Haltung herzurichten.

    Ansonsten kann ich mich nur arafan anschließen. Weitere Berichte würden mich sehr interessieren.

  2. Vielen Dank für deinen Bericht! Sind doch ganz schön interessante Perpektiven die du hier aufzeigst. Mir gefällt es vor allem dass du konstruktiv rangehst, etwas schade fand ich dass du nichts zum hochgelobtem Australienhaus gesagt hast, aber mir ist bewusst dass sowas viel Zeit kostet.
    Zur Anlage der Gorilla möchte ich gerne noch hervorheben das ich es sehr schön finde dass diese schattig ist, bei der Innenanlage würde Rindenmulch schon einen komplett anderen Eindruck verschaffe, für die Tiere sehe ich diese allerdings als gut an.
    Die Anlage der Riesenotter gefällt mir besonderst gut, allerdings vermisse ich hier den Schatten, wenn man bedenkt dass diese Regenwaldbewohner sind.

    Die Raubtieranlagen sehen hässlich aus, ich hoffe hier gibt es in Zukunft eine Verbesserung.
    Bei den Zebras sehe ich es genau so und wäre die Anlage etwas mehr bepflanzt würde sie auch schon um einiges besser aussehen.

    Ich hätte Interesse an den anderen Reiseberichten, da ich mir auch vorstellen kann dass viele noch keine dieser Zoos besucht haben und man im Deutschen Raum auch relativ weniger über diese hört.

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