Tigeranlagen: Köln – zeitloser Klassiker

Tiger gehören zu den beliebtesten (Zoo)tierarten und viel genutzten Werbeträgern, besonders auch in Sachen Artenschutz, wo sie ebenso ikonisch sind wie Großer Panda, Gorilla und Elefant. Von der einstmaligen reinen Käfighaltung weg hat sich die Tigerhaltung in den vergangenen Jahrzehnten hin zu verschiedenen Formen neuer Anlagen entwickelt. Diese Artikelserie stellt verschiedene Tiger-Anlagen vor

Zoo Köln

Eckdaten
  • Unterart: Sibirischer Tiger (Panthera tigris altaica)
  • Baujahr: 1963
  • Größe: 920m2
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Von Doppelklecks – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39227765
Bauform

Die Kölner Tigeranlage ist eine klassische Wassergraben-Anlage, wie sie in ab Beginn der 60er Jahre in größeren Zoos die alten Raubtierkäfige abzulösen begannen (vgl. alte Duisburger Anlage, 1962). Mit 920m2 war sie für die damalige Zeit sehr großzügig und darf auch heute noch als groß gelten.

Die Tigeranlage ist Teil eines Doppelkomplexes für Großkatzen. Sie liegt südlich des gemeinsamen Stallgebäudes, nördlich schließt eine etwa gleich große, ähnlich beschaffene Anlage für Asiatische Löwen (Panthera leo persica). In dem Gebäude befinden sich die Apserrkäfige der Tiger im Obergeschoss, die der Löwen im Untergeschoss. Die Innenräume sind nicht einsehbar.

Die Anlage hat eine rechteckige Grundform. Die an den Außenmauer des Zoogeländes grenzendes Längseite wie auch die südliche Stirnseite sind mit ca. 6 Meter hohen, nach innen überhängenden Stalzäunen eingefriedet. Entlang der dem Hauptweg zugewandte Längseite verläuft ein ca. 6 Meter breiter Wasser graben. Die Gehegefläche liegt insgesamt einige Meter tiefer als der Besucherweg. Zum rückwärtigen Zaun hinsteigt das Gelände sanft an.

Ausstattung

Die Mitte der Gegehegefläche ist geprägt durch eine Ansammlung kleinerer Bäume, die im Sommer ein grünes Dickhicht bilden und den Tigern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Die weitere Bepflanzung ist eher spärlich, insbesondere die Grasnarbe weitgehend weggetreten, was für eine starke Nutzung der Lauffläche durch die Tiger spricht.

Auf der Fläche sind drei Unterstände eingerichtet, zwei aus Holz, einer davon innerhalb des Dickhichts, einer aus Felsplatten in unmittelbarer Nähe des Wassergrabens. Des weiteren sind Baumstämme als Kletter- und Aussichtssmäglichkeiten über das Gelände verteilt.

Wenngleich der Wassergraben  bereits als Bademöglichkeit zur verfügung steht, sind im südlichen Bereich des Graben noch kleine Ausbuchtungen als „Planschbecken“ eingerichtet. Rund um diesen Teil des Wassergrabens gibt es außerdem eine umfangreicher gestaltete Zone aus flachen Felsplatten.

Besuchereinblick

Die Besucher können die Tigeranlage über die gesamte Längsfront einsehen. Der Wassergraben ermöglicht freie Sicht, ebenso der deutlich erhöhte Standpunkt. Die bedeutet gleichermaßen aber einen durchweg großen Abstand zu den Tieren. Für die Besucher, die die Tiere gern aus der Nähe sehen möchten, ist dies zunächst eher unvorteilhaft.

Allerdings kommt die Distanz den Tieren entgegen, die bei dieser Bauform über die ganze Breite ihres Territoriums mit den Besuchern konfrontiert sind und durch die im Verhältnis geringere Tiefe der rechteckigen Anlage sich nciht so weit nach hinten zurückziehen können. Der Abstand sowie die Bepflanzung gleichen dies jedoch zu genüge aus.

Aus nächster Nähe könne die Besucher die Tiger an einer Panoramascheibe im Zaun an der südlichen Stirnseite sehen, sofern die Tiger sich dort aufhalten.

Fazit

Wenngleich die Kölner Tigeranlage bereits 50 Jahre alt ist, kann sie halterisch problemlos mit neuen Anlagen mithalten. Das oft vorhanden Manko von Wassergraben-Anlagen, dass, selbst bei Tigern, die den Wassergraben zum Schwimmen benutzen, der Graben wegen der nötigen Sicherheitsbreite zulasten der für die Tiere nutzbaren Fläche geht, trifft hier aufgrund der Größe der Anlage nicht zu. Sollte es dennoch einmal notwendig werden die Fläche zu vergrößern, wäre dies durch teilweises Verfüllen des Wassergrabens ohne weiteres möglich. Einzig eine Abtrennmöglichkeit, für die Einzelgängerischen Tiger eigentlich ein Muss, sollen nicht einzelne Tiere im Wechsel in den Innenräumen bleiben, fehlt aktuell. Doch dies sollte bei Bedarf möglich sein, nachzurüsten.

Landschaftsgestalterisch kommt die Anlage, bedingt durch ihr Alter, etwas schlicht daher. Die einzigen gestalterischen Elemente sind die Felsen am Wassergraben und die mittige Baumgruppe. Mehr strukturierende Elemente, weitere Felsgruppen, Bepflanzung, Wasserläufen o.ä. wären denkbar, ebenso den rückwärtigen Zaun hinter Büschen verschwinden zu lassen. Auch ob das sehr präsente, im Stil des Jahrzehnts gestaltete Stallgebäude nicht ein anderes, bevorzugt naturnäheres Erscheinungsbild erhalten könnte, wäre zu überlegen.

Weitere geplante Beiträge:

  • Arnheim
  • Duisburg
  • Gelsenkirchen
  • Hamm
  • Krefeld
  • Münster
  • Osnabrück
  • Wuppertal

Falls jemand eine weitere Tigeranlage vorstellen möchte, würde ich mich über die Beiträge freuen. Gerne dürfen es auch negative Beispiele sein, solange die Beschreibung objektiv und Bewertung sachlich bleibt.

2 Gedanken zu „Tigeranlagen: Köln – zeitloser Klassiker“

  1. Guter Beitrag!
    Was ich aber noch ergänzen möchte ist folgendes:
    – Den gröten Mangel der Anlage hast du noch gar nicht genannt. Die Anlage ist zur Zeit nicht abtrennbar. Bei Einzelgängern wie Tigern ein nicht unwesentliches Problem. Gerade bei Nachwuchs muss man dadurch die Tiere teilweise in die sehr kleinen Abtrennkäfige sperren.
    – Die Anlage ist zu großen Teilen nur von oben einsehbar, sodass man häufig auf die Tiere herab sieht. So etwas würde heute bei einer guten Anlage nicht mehr gebaut werden und ist bei einer fast 50 Jahre alten Anlage entschuldbar.
    – Etwas mehr würde ich hier die Rückzugsmöglichkeiten der Tiere hervorheben, vor allem wenn man bedenkt in wie vielen Zoos die Bedürfnisse der Tiere nicht an erster Stelle stehen. Gerade im Sommer sieht man die Tiere mit Pech gar nicht. Für die Besucher natürlich suboptimal, für die Tiere super.
    – Das hat zwar nichts mit der Anlage zu tun, hervorzuheben ist hier aber, dass die Tiere auch Nachts nicht weggesperrt werden. Eine Praxis die in Köln auf fast alle Tiere zutrifft, in anderen Zoos aber leider die Ausnahme darstellt.
    – Durch den innerhalb der nächsten Jahre anstehenden Umbau werden so gut wie alle genannten Mängel behoben und die Anlage sollte auch in Zukunft den Ansprüchen einer guten Tierhaltungen entsprechen.

    1. Bis auf den Punkt „von oben herab“ hatte ich eigentlich alles angesprochen, aber vielleicht nicht genau genug auf den Punkt gebracht. Werde ich nochmal drüber gehen. Danke auch für die Hintergrundinfos, die kann ich auch noch einbauen.

      Falls übrigens jemand Sommerfotos hat, auf denen man die dichte Befplanzung sehen kann, gerne hier hochladen, dann füge ich die mit ein.

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