Tierpark Berlin: Eisbärennachwuchs

Im Tierpark Berlin gibt es, für mich überraschend, Eisbärennachwuchs. Die 6-jährige Tonja (geb. 16.11.2009 in Moskau) hat zum ersten Mal Nachwuchs zur Welt gebracht: Am 3. November gebar sie Zwillinge. Vater ist der vierjährige Wolodja (geb. 27.11.2011 in Moskau, aber nicht verwandt mit Tonja). Für ihn ist es ebenfalls der erste Nachwuchs.

Bild aus der Wurfbox vom 4. November Quelle: http://www.tierpark-berlin.de/de/aktuelles/news/artikel/doppeltes-glueck-zur-winterzeit

Nach zwei Wochen lebt leider nur noch ein Jungtier, aber angesichts der Tatsache, dass Tonja eine Erstgebärende ist, wäre das Überleben des verbliebenen Jungtieres schon ein Riesenerfolg. Zumal die letzte erfolgreiche Eisbärengeburt im Tierpark am 16.12.1994 stattfand. Die Daumen sind also gedrückt, dass nach Knut vor nun fast genau 10 Jahren ein neues Eisbärenbaby in Berlin aufwächst, hoffentlich natürlich mit besserem Ende als bei Knut…

Überraschend war nicht nur die Geburt (angesichts des doch recht jungen Alters vor allem von Wolodja), sondern auch die frühe Pressemitteilung, denn der Tierpark ist bereits am 4. November an die Presse gegangen. Aber so kann man sich zumindest nicht über mangelnde Transparenz beklagen.

Aus genetischer Hinsicht ist der Nachwuchs sehr wertvoll, da Tonjas Eltern Wildfänge sind und die Gene daher noch kaum in der europäischen Zoopopulation vorhanden sind.

Zwar freue ich mich über den Nachwuchs, allerdings muss man auch klar sagen, dass die Berliner Anlage eigentlich nicht mehr zur Zucht geeignet ist. Sie ist zwar nicht zu klein (auch wenn der Landteil größer sein könnte) und gestalterisch auch nicht die schlechteste Anlage, aber es gibt keinerlei Absperrmöglichkeiten, d.h. es gibt nur eine Anlage. Da bereits Schichtbetrieb zwischen Tonja/Wolodja und des dritten Eisbären, der fast 36-jährigen Aika, herrschte, müsste man also eine Dreifachschicht fahren. Das ist sicherlich alles andere als optimal. Man kann aber davon ausgehen, dass Wolodja aus diesem Grund vorübergehend abgegeben wird, wenn das Jungtier überlebt.

 

Quellen: http://www.tierpark-berlin.de/de/aktuelles/news/artikel/doppeltes-glueck-zur-winterzeit

https://ullijseisbaeren.wordpress.com

 

6 thoughts on “Tierpark Berlin: Eisbärennachwuchs”

  1. Von dieser immer geforderten sogenannten Transparenz halte ich nicht viel. Eines der Jungtiere hat die ersten kritischen Tage/Wochen nicht überstanden und schon steht man wieder blöd da, bzw. die Boulevardzeitungen haben schon die negativen Meldungen dramatisiert und veröffentlicht.
    Bei der Anlage stimme ich dir zu, zumindest hat man aber diesen Mangel erkannt. Auch wenn ich lieber sofort und nicht erst in 5 Jahren+ mit dem Umbau starten würde….

    1. Ich würde auch am liebsten sehr bald schon eine umgebaute und vor allem teilbare bzw. zweite Anlage für die Eisbären sehen, aber das Geld dafür ist nicht da bzw. soll erstmal in meiner Meinung nach dringendere Projekte (Alfred-Brehm-Haus, Dickhäuterhaus, Malaienbären) sowie in Himalaya (von der Stadt so gewünscht wegen der Schuttberge…) investiert werden. Im Vergleich zu den Malaienbären, Katzen und Elefanten leben die Eisbären nun wirklich nicht schlecht. 😉
      Aber ich denke mal, dass dir das alles eh klar ist. 😉

    2. Zum Thema negative Presse: Als so negativ nach dem Tod des einen Jungtieres schätze ich das nicht ein. In meinen Augen war die Presse da sehr zurückhaltend und die meisten Leute erkennen an, dass es nun mal eine hohe Sterblichkeit gibt.

      Ob Transparenz bei sowas nun gut ist oder nicht, die Leute, die Transparenz fordern, können sich hier nun wirklich nicht beschweren. Und Meckerer gibt es immer, vor allem aus dem Anti-Zoo-Sektor.
      An sich finde ich Transparenz aber gut. Wenn man den normalen Besucher Dinge, die hinter den Kulissen eines Zoos ablaufen, gut erklärt, wird das in meinen Augen auch gut anerkannt und reduziert mMn auch die Gefahr, dass falsche Eindrücke und Gerüchte entstehen z.B. zum Thema Medikamentengabe, wo es auch außerhalb der Antizooszene falsche Eindrücke gibt.

    3. Der Punkt ist ja: Wenn irgendwo in Grönland der schwächere Zwilling eines Wurfes stirbt, kriegt das kein „Tierfreund“ mit, weil nunmal keine Überwachungskamera in die Schneehöhle schaut. Und der Zoo ist auch kein Garten Eden, auch wenn die Besucherschar es gerne so hätte. Das ist Realität, und ich fände es falsch, die gegenüber dem Publikum zu beschönigen. Nicht nur, weil man gerade dadurch den Antis das Argument „die vertuschen alles“ auf dem Silbertablett serviert. Es soll doch Verständnis für die Natur erzeugt werden, und da gehört Jungtiersterblichkeit nun einmal dazu
      Da sehe ich es eigentlich genauso wie JonLynx, wenn es darum geht, das Geschehen im Zoo dem Publikum zu vermitteln, gerade weil das Publikum heute teilweise kritischer hinterfragt als früher. Eher hat man mAn zu spät darauf reagiert und den Antis zu lange die Deutungshoheit überlassen. Zumindest sehe ich da Parallelen zu meinem Sport, den manche ja ähnlich kontrovers bis ablehnend gegenüber stehen, die breite Masse aber kaum eine wirkliche Vorstellung davon hat, was dabei eigentlich gemacht wird. Dem sind wir mit schlichter Information gegenübergetreten, als Aktion, nicht erst als Reaktion, und zumindest in unserem lokalen Umfeld hat es funktioniert.

      1. Ich glaube meine Aussage war unglücklich formuliert und kam falsch rüber. Nein man muss den Tod nicht verheimlichen, aber diese übertriebene Transparenz finde ich unnötig. Es schadet auch niemandem die ersten Tage abzuwarten und nach der kritischen Phase an die Presse zu gehen. So bekommt die negative Meldung eine größere Bühne als es nötig wäre…

        Ich habe den Artikel jetzt nicht griffbereit, allerdings war es eine größere Zeitung mit einem Titel ala „Droht dem Berliner Zoo ein neuer Fall Knut“

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